In Zusammenarbeit mit Magyar CIVINET und der Gemeinde Ferencváros (9th Im Bezirk Budapest) organisierte Mobilissimus eine professionelle Veranstaltung mit dem Titel Fachtag zur Zukunft des urbanen Parkens: Herausforderungen, Entwicklungsrichtungen, Lösungen Die Veranstaltung fand am 10. Dezember 2025 statt. Das Vormittagsprogramm bestand aus Fachvorträgen, der Nachmittag war einem interaktiven Workshop gewidmet.
Dr. András Szele, leitender Experte bei Mobilissimus, eröffnete die Veranstaltung.
Das NXTLVL-Parkprojekt und die ParkPAD-Methodik
Rita Petrovácz und Nikolett Csörgő vom Mobilissimus stellten vor Interreg CE NXTLVL Parkplatz Das Projekt wurde vorgestellt. Die Präsentation umfasste die Projektstruktur, die ParkPAD-Methodik, die bisher durchgeführten Parkraumanalysen sowie Möglichkeiten zur Weiterentwicklung. Zudem wurden die im Rahmen des Projekts umgesetzten Pilotprojekte erläutert, die restriktive und anreizbasierte Maßnahmen kombinieren.
Erneuerung des gebührenpflichtigen Parksystems in Debrecen
Geschäftsführer von DV Parking KftAndrás Fodor gab anschließend einen kurzen Vortrag über die Erneuerung des gebührenpflichtigen Parksystems in Debrecen, die am 1. August 2025 in Kraft trat.
Gemäß den geltenden Bestimmungen kann die Pflicht zur Zahlung einer Gebühr für einen Parkplatz und einen Zeitraum auferlegt werden, wenn die durchschnittliche Auslastung der für das Parken von Fahrzeugen geeigneten Stellplätze während des jeweiligen Zeitraums 70 % übersteigt.
In Debrecen lag die durchschnittliche Auslastung der betroffenen Flächen bei 77 %. Ziel der Reform war ein transparenteres und einheitlicheres Zonensystem durch die Einbeziehung neuer Parkplätze (insgesamt 7,166) sowie die Anpassung der Gebührenstruktur und des Rabattsystems. Nach der Registrierung können Einwohner Debrecens kostenlos parken, Tagestickets und Parkausweise erfreuen sich ebenfalls großer Beliebtheit. Rund 70 % der Parkgebühren werden derzeit per Mobiltelefon bezahlt.
Parkzonen in Debrecen

Quelle: DV Parking
Der Straßenrand als strategische städtische Ressource und die Erneuerung der Parkvorschriften in der Hauptstadt
Tamás Strang, Leiter der Mobilitätsstrategie bei BKKsprach über die Bedeutung des Bordsteins, insbesondere im Hinblick auf den GRETA und LIFE Ungarn Projekte. Der Bordstein ist einer der wertvollsten, aber gleichzeitig am wenigsten genutzten öffentlichen Räume der Stadt – der Übergangsstreifen zwischen Gehweg und Fahrbahn. Budapest gehörte zu den ersten Städten, die ein stadtweites Bordsteinkonzept entwickelten, das den gesamten Bereich einheitlich gestaltet.
Das GRETA-Projekt zielt darauf ab, die urbane Mobilität umweltfreundlicher zu gestalten. Dazu werden Lastenradtransporte, Mikro-Konsolidierungspunkte und Flächen am Straßenrand entwickelt und Pilotprojekte an verschiedenen Standorten durchgeführt. Das LIFE-HungAIRy-Projekt plant, die Effizienz des innerstädtischen Güterverkehrs durch die Einführung von Konsolidierungspunkten sowie mobilen Shuttlebussen für die Paketkonsolidierung zu verbessern. Es beinhaltet außerdem die Entwicklung eines Laderaumreservierungssystems als neue Logistikdienstleistung, das in mehreren Phasen implementiert wird.
In Budapest ist die Stadtverwaltung für die Parkordnung zuständig, während die Bezirksverwaltungen für den Betrieb verantwortlich sind. Am 27. November 2024 wurde die Parkordnung der Hauptstadt geändert, um die Parkdauer zu verlängern, die Gebühren zu erhöhen, Rabatte neu zu strukturieren, die Effizienz des Parkbetriebs zu steigern und die Regelungen für P+R-Parkplätze und geschützte Zonen zu aktualisieren.
Großer Boulevard

Quelle: BKK
Der Grand Boulevard wird renoviert: Wie die funktional neu gestaltete Bordsteinkante den Geschäften und Wohnhäusern entlang des Boulevards dienen wird
Samu Balogh, Stadtplaner für Mobilität bei BKK, und Dr. András Szele präsentierten gemeinsam, wie der funktional neu gestaltete Straßenrand den Geschäften und Wohnhäusern entlang des Boulevards dienen wird. Mobilissimus entwarf den Straßenrand zwischen dem Boráros-Platz und dem Nyugati-Platz auf Grundlage umfangreicher Befragungen und einer eigenen Methodik. Studien zeigten, dass der Boulevard ein multifunktionaler Stadtraum ist, in dem sich die unterschiedlichen Mobilitätsbedürfnisse von Anwohnern, Gewerbetreibenden, Einkäufern und Dienstleistern überschneiden. Der Entwurf berücksichtigt all diese Faktoren. Der neue Straßenrand ist für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet und unterstützt das Be- und Entladen, den Fußgänger- und Mikromobilitätsverkehr, Gemeinschaftseinrichtungen und die Begrünung. Der Baubeginn ist für 2028 geplant, doch es besteht noch erheblicher Planungsbedarf.
Was bringen uns die (Anwohner-)Parkvorschriften?
In seinem Vortrag stellte Dániel Rádai, der stellvertretende Bürgermeister von Józsefváros (8th Der Budapester Bezirk Józsefváros beschrieb, wie der Bezirk seinen Umgang mit Parkplätzen und der Nutzung öffentlicher Räume verändert hat. Józsefváros ist ein großer, dicht besiedelter Bezirk mit vielfältigen Funktionen, und die Entwicklung des öffentlichen Raums ist hier maßgeblich von Lucy Saunders' Konzept der „Gesunden Straßen“ inspiriert. Im Bürgermeisterprogramm von 2019 wurde das Ziel klar formuliert: den Autoverkehr durch öffentliche Verkehrsmittel, Fahrräder sowie Fußgänger-, Roller- und Rollstuhlverkehr zu ersetzen.
Im Zuge der Rationalisierung von Parkplätzen und öffentlichen Flächen wurden im Palastviertel und im Markthallenviertel 159 % bzw. 147 % der verfügbaren Parkplätze als Anwohnerparkausweise ausgegeben. Im Gegenzug wurden die Preise für Anwohnerparkausweise erhöht und in einigen Straßen Parkplätze abgebaut, um so attraktivere öffentliche Flächen für die Anwohner zu schaffen. Dieser Prozess wurde von umfassenden Bürgerbeteiligungen begleitet, die zu einem spürbaren Wandel der Einstellung im Viertel geführt haben.
Wie geht es mit der Parkpolitik weiter?
In seinem Vortrag erläuterte Dr. András Szele die im Rahmen des NXTLVL-Projekts entwickelten Empfehlungen zur Parkraumpolitik, die auf nationaler Ebene koordiniert werden sollen. Der Vortrag warf grundlegende Fragen zur Zukunft der Parkraumpolitik auf, beispielsweise warum gebührenpflichtiges Parken allein nicht ausreicht, um die Nachfrage zu regulieren, wie Überlastungsprobleme angegangen werden können und welche Aspekte auf welcher Ebene reguliert werden sollten, damit Kommunen effektive und funktionierende Parkraumpolitiken umsetzen können.
Die sechs wichtigsten Empfehlungen lauten:
- Überprüfung der Parkraumrahmenvorschriften
- Einrichtung eines nationalen Parkraumentwicklungsfonds
- Entwicklung eines nationalen digitalen Parkdatenrahmensystems
- Schulungsprogramm für städtische Parkraum- und Mobilitätsmanager
- Einsatz einheitlicher, standardisierter Kontrollinstrumente und -technologien
- Zweckbindung von Parkeinnahmen für die Entwicklung lebenswerter Städte
Wohnsiedlung József Attila

Quelle: Mobilissimus
Nachmittagsworkshop
András Ekés, Geschäftsführer von Mobilissimus, leitete den Nachmittagsworkshop, in dem er mit den Teilnehmenden die aktuelle Situation des städtischen Parkens erörterte. Städtische Parkplätze gelten allgemein als überfüllt und chaotisch und erfüllen oft nicht die Bedürfnisse der Anwohner. Während das Parken in einigen Stadtteilen (z. B. im achten Bezirk) größtenteils organisiert ist und die Anwohner zufrieden sind, müssen die meisten Kommunen weitere Maßnahmen ergreifen, um ein effizienteres und besser organisiertes Parken zu gewährleisten. Gleichzeitig hat die Gesellschaft gebührenpflichtiges Parken akzeptiert und betrachtet es als Teil der städtischen Kultur und als notwendiges Übel – eine Wahrnehmung, die auch durch die Einführung des kostenlosen Parkens während der Pandemie beeinflusst wurde.
Die derzeitige Parkraumbewirtschaftung weist mehrere Mängel auf. Es bedarf eines Rahmens, den die Kommunen an ihre lokalen Bedürfnisse anpassen können, und die bestehenden nationalen Regelungen müssen aktualisiert werden. Eine effektive Kommunikation und Zusammenarbeit sind zudem wichtig zwischen den Kommunen und dem Land sowie zwischen den Bezirken und der Stadt Budapest.
Im Workshop wurde mehrfach erwähnt, dass Fahrzeuge, die mit unbezahlten Bußgeldern, ohne Kennzeichen oder mit unklaren Eigentumsverhältnissen auf den Straßen abgestellt sind, ein erhebliches Problem darstellen und den Kommunen durch deren Entfernung und Lagerung hohe Kosten verursachen. Józsefváros ist ein gutes Beispiel für eine Lösung dieses Problems: Dort wurden die betreffenden Fahrzeuge registriert, mit Radklemmen versehen und die Zahl der falsch geparkten Fahrzeuge ist seitdem deutlich zurückgegangen.
Parkraumbezogene Angelegenheiten werden primär vom stellvertretenden Bürgermeister und den Parkraumbetreibern bearbeitet. Generell mangelt es zwischen den beiden Parteien an fachlicher Koordination (außer in Józsefváros), doch laut den Beteiligten führt dieser Mangel an Koordination nicht zu Defiziten bei der Umsetzung der Parkraumpolitik. Die mit dem Thema Parken befassten Personen beziehen aktuelle Informationen hauptsächlich aus Fachveranstaltungen, Konferenzen und Best-Practice-Beispielen.
Die Teilnehmer gaben an, dass es sehr nützlich wäre, ein umfassendes Parktrainingsprogramm zu entwickeln und eine nationale Wissensaustauschplattform zu schaffen, um den Austausch von Erfahrungen und bewährten Verfahren zu erleichtern.